20. Februar 2018

Evidenz und Objektivität beim Thema künstliche Gelenke

Endoprothetik und Evidenz: beides Begriffe, die immer mehr Menschen begegnen werden

Künstliche Gelenke werden immer häufiger implantiert. Erstens, weil die Menschen länger leben. Künstliche Gelenke ersetzen Gelenke, die einem jahrzehntelangen Verschleiß ausgesetzt sind. Zweitens, weil es heute exzellente endprothetische Versorgungsmöglichkeiten gibt. Künstliche Gelenke sind Meisterwerke, was Präzision, Funktionalität und Qualität anbelangt. Davon geht man aus, während man sich mit dem Operateur unterhält. Doch beim Gelenkersatz gibt es Unterschiede in der Versorgung, wie es Unterschiede bei jeder medizinische Versorgung gibt. Und bei unterschiedlichen Wegen gibt es unterschiedliche Meinungen und Überzeugungen.

Evidenz in der Endoprothetik

Evidenz leitet sich vom lateinischen Adjektiv evidens ab. Evidens heißt sichtbar, und was sichtbar ist, braucht nicht (erneut) erforscht oder belegt zu werden. Evident ist daher, was offensichtlich ist. Entweder ist ein Umstand grundsätzlich evident, oder er erhält Evidenz in Form von Beweiskraft durch Versuche, Forschungen, Studien etc.

So weit, so gut. Doch was ist objektiv wahr in der Medizin, was hat Bestand, worauf kann ich mich verlassen?
Diese Frage beschäftigt eigentlich alle, die mit Medizin zu tun haben: von den Patienten über die Ärzte bis zu denen, die das Geld im Gesundheitswesen verteilen. Wenn es um künstliche Gelenke geht, gibt es eine besondere Interessenslage. Künstliche Gelenke sollen über Jahrzehnte im Körper bleiben.

Die Redaktion von ENDOINFO.de arbeitet mit dem Ziel, relevante, objektive und evidente Informationen rund um das Thema künstliche Gelenke bereitzustellen.
Bei einem solchen Ziel sind – wie bei jedem anderen Ziel, das sich Menschen setzen – Umwege und Abweichungen unvermeidbar.
Was Sie auf ENDOINFO.de lesen und sehen, wird nach bestem Wissen bereitgestellt, doch es wird nie vollzählig oder abschließend sein.
Die Informationen auf ENDOINFO.de dienen daher als Orientierungshilfe auf dem Weg zum Gelenkersatz, als Vorbereitung auf die vorbereitenden Gespräche mit Orthopäden und Operateuren, wenn künstliche Gelenke als Versorgung in Frage kommen.

Die Evidenz-Problematik am Beispiel der Infektionsprophylaxe

Wahr und für jeden nachvollziehbar ist z.B., dass Infektionen im Operationsumfeld (künstliche Gelenke) zu Implantatlockerungen und Wechseloperationen führen können.
Und dass jeder solche Infektionen vermeiden möchte, leuchtet allen ein.

Spätestens jedoch in dem Moment, in dem beschrieben werden soll, wie künstliche Gelenke mit der denkbar größten Sicherheit und ohne solche Infektionen eingebaut werden können, gehen die Meinungen auseinander. Hier scheiden sich die Geister. Ein Weg zu belastbaren Informationen über künstliche Gelenke besteht darin, eine ausreichend breite und aktuelle Datenmenge zu erheben und auszuwerten. Bereits hier stellt sich weitere Fragen: Wer hat welche Daten mit welchem Ziel erhoben? Zu welcher Institution steht jemand in einem Bezug? Wo gibt es Loyalitätsbindungen und Interessenskonflikte?

Spätestens hier wird deutlich, daß die Objektivität ein hehres Ziel ist, das man nie endgültig erreicht, denn kaum wurde eine Hypothese vermeintlich bewiesen, kann sich herausstellen, dass ein Irrtum vorliegt, ein Fehler in einem Studiendesign. Oder dass die Hypothese zu erweitern sei.

Wer als Patient bereit ist nachzufragen, zu vergleichen und einen Dialog mit den Spezialisten für Endoprothetik zu entwickeln, wird selbst zum Spezialisten für seine eigene Gesundheit. ENDOINFO.de soll und kann niemals abschließend richtige und vollständige Informationen bereitstellen. ENDOINFO.de beansprucht für sich lediglich, das Thema Qualitätssicherung in der Endoprothetik zum Gespräch zu machen, die Patienten und ihr Umfeld dafür zu sensibiliseren, dass eine zweite Meinung immer dann obligatorisch ist, wenn es mehr als einen Weg gibt.